Ratgeber · Lichtplanung nach Raum
Lichtplanung in der Küche: Arbeitsflächen, Kochinsel und Unterbau-Licht
Die Küche ist der anspruchsvollste Raum im Wohnbereich: Auf der Arbeitsfläche wird mit scharfem Werkzeug hantiert (viel Licht!), am Esstresen soll es gemütlich sein (wenig, warm). Der Schlüssel ist eine Planung in drei Schichten: Grundlicht, Arbeitslicht, Akzent.
Richtwerte: Zonen in der Küche
Für private Küchen gelten Praxiswerte, angelehnt an die Arbeitsplatz-Systematik der DIN EN 12464-1:
| Zone | Richtwert |
|---|---|
| Grundbeleuchtung Küche gesamt | 150–200 lx |
| Arbeitsflächen (Schneiden, Kochen, Spülen) | 300–500 lx |
| Kochinsel / Tresen | 300 lx + Pendel als Blickfang |
| Esstisch in der Wohnküche | 200 lx, warmweiß |
| Lichtfarbe Arbeitsbereich | 3.000–4.000 K |
| Farbwiedergabe (Ra/CRI) | ≥ 90 (Lebensmittel!) |
Der wichtigste Trick: Downlights gehören über die Arbeitsflächen-Vorderkante, nicht in die Raummitte. Wer mittig plant, steht beim Schneiden im eigenen Schatten — der häufigste Küchen-Reklamationsgrund überhaupt.
Unterbauleuchten (LED-Strips unter den Hängeschränken) sind kein Luxus, sondern die einzige Lichtquelle, die garantiert schattenfrei auf die Arbeitsplatte trifft. Mit 500–800 lm pro Meter und Ra ≥ 90 sehen Lebensmittel aus wie frisch.
Praxisbeispiel: Wohnküche 15 m² mit Kochinsel
Küchenzeile 3,6 m an der Wand, Insel 2 × 1 m, Decke 2,5 m. Ziel: helle Arbeitsflächen, Insel als Blickfang.
15 m² × 200 lx ÷ 0,6 ≈ 5.000 lm Grundlicht
Grundlicht: 6 Downlights à 800 lm — vier davon als Reihe ca. 60 cm vor der Küchenzeile (Licht fällt vor dir auf die Platte), zwei im Restraum. Dazu LED-Strip 3 m unter den Hängeschränken (ca. 2.000 lm) für die Arbeitsfläche: dort landen so 400–500 lx.
Über der Insel 2–3 Pendel (je 600–800 lm, warmweiß) auf 70–80 cm über der Platte: genug Arbeitslicht plus der gestalterische Anker des Raums. Getrennt geschaltet, gern dimmbar — abends wird die Insel zur Bar.
Die 4 häufigsten Fehler bei Küchenbeleuchtung
Downlights in der Raummitte. Das klassische 08/15-Raster beleuchtet den Fußboden und wirft deinen Schatten auf die Arbeitsplatte. Downlights an die Vorderkante der Arbeitsflächen setzen — die Raummitte braucht am wenigsten Licht.
Nur eine Lichtebene. Eine Deckenleuchte für alles heißt: zu dunkel zum Arbeiten, zu grell zum Essen. Mindestens zwei getrennt geschaltete Ebenen (Grund + Arbeit), besser drei (+ Akzent/Pendel).
Ra 80 über Lebensmitteln. Tomaten wirken gräulich, Fleisch fahl. In der Küche zahlt sich Ra ≥ 90 sichtbar aus — gerade bei Strips und Pendeln über Arbeits- und Essflächen.
Pendel zu hoch gehängt. Auf Augenhöhe blendet es, zu hoch verliert es die Wirkung. 70–80 cm zwischen Platte und Pendel-Unterkante ist der bewährte Bereich über Insel und Esstisch.
Verteilung prüfen statt raten
Ob die Werte auf der Fläche wirklich ankommen, siehst du nicht am Überschlag, sondern erst im Plan. In Lightbuilder lädst du den Grundriss hoch, setzt die Leuchten per Klick und die Lux-Heatmap zeigt dir live, wo es hell genug ist — Stückliste fällt direkt mit raus, in etwa 5 Minuten. Komplett kostenlos für Elektrobetriebe.
Häufige Fragen
- Wie viel Lux braucht eine Küche?
- Grundbeleuchtung 150–200 lx, auf den Arbeitsflächen 300–500 lx. Die hohen Werte erreichst du am besten mit Unterbauleuchten plus Downlights vor der Zeile — nicht mit einer starken Deckenleuchte in der Mitte.
- Wie viele Downlights für die Küche?
- Für 15 m² Grundlicht auf 200 lx: rund 5.000 lm, also 6 Downlights à 800 lm. Entscheidend ist die Position: die Reihe gehört vor die Arbeitsflächen, nicht in die Raummitte.
- Welche Lichtfarbe in der Küche?
- Arbeitsbereiche 3.000–4.000 K, Ess- und Wohnzonen 2.700–3.000 K. In offenen Wohnküchen bewährt: neutralere Arbeitszone, warme Insel-Pendel — die Zonen dürfen sich unterscheiden.
- Wie hoch hängt das Pendel über der Kochinsel?
- 70–80 cm zwischen Arbeitsplatte und Unterkante der Leuchte. Bei mehreren Pendeln: Abstand untereinander etwa 60–80 cm, außen bündig mit der Insel abschließen.
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Alle Lux-Angaben sind Richtwerte angelehnt an DIN EN 12464-1 bzw. gängige Praxis — als Planungshilfe, kein normativer Nachweis. Für die fachliche Prüfung und Ausführung bleibt der Fachbetrieb verantwortlich.