Ratgeber · Lichtplanung

Wie viel Lux braucht welcher Raum? Die Tabelle für die Praxis

Du stehst beim Kunden und sollst sagen, wie viele Leuchten der Raum braucht. Die ehrliche Antwort beginnt immer mit einer Zahl: der Beleuchtungsstärke in Lux. Hier findest du die Richtwerte für alle gängigen Raumtypen — als Tabelle zum Nachschlagen, mit Faustformeln für die schnelle Rechnung auf der Baustelle.

Kurz erklärt: Lux, Lumen und warum beides nicht dasselbe ist

Lumen ist, was die Leuchte abgibt. Lux ist, was unten ankommt: 1 Lux = 1 Lumen pro Quadratmeter. Eine 3.000-Lumen-Leuchte macht in einem kleinen Bad viel Licht und in einer Halle fast nichts. Deshalb plant man nicht mit „Watt pro Raum", sondern mit Lux auf der Nutzfläche.

Lux-Richtwerte für Arbeitsstätten (nach DIN EN 12464-1)

Die DIN EN 12464-1 legt Mindest-Beleuchtungsstärken für Arbeitsstätten in Innenräumen fest. Die wichtigsten Werte:

BereichRichtwert
Verkehrsflächen, Flure100 lx
Treppen150 lx
Lager (mit Lesetätigkeit)200 lx
Archiv, Kopierraum200–300 lx
Empfang, Kantine300 lx
Klassenzimmer, Schulung300 lx
Verkaufsfläche300 lx
Büro (Schreiben, Lesen, Bildschirm)500 lx
Besprechungsraum500 lx
Kassenbereich500 lx
Gewerbliche Küche500 lx
Werkstatt, Montage (mittelfein)500 lx
Feinmontage, Prüfplätze750–1.000 lx

Wichtig für deine Angebote: Das sind Wartungswerte — sie müssen auch am Ende der Lebensdauer der Anlage noch erreicht werden. Wer knapp plant, liegt nach drei Jahren drunter. Ein Puffer von 20–25 % ist Praxisstandard.

Lux-Empfehlungen für Wohnräume

Für private Wohnräume gilt die DIN EN 12464-1 nicht — hier gibt es keine Pflichtwerte, aber bewährte Empfehlungen:

RaumEmpfehlung
Flur, Diele100 lx
Schlafzimmer (Grundlicht)100–150 lx
Wohnzimmer (Grundlicht)100–200 lx
Bad (Grundlicht)200–300 lx
Bad (am Spiegel)300–500 lx
Küche (Grundlicht)250–300 lx
Küche (Arbeitsfläche)500 lx
Homeoffice-Arbeitsplatz500 lx

Im Wohnbereich zählt neben der Helligkeit die Lichtstimmung: Grundlicht dimmbar auslegen, Arbeitszonen (Kochen, Lesen, Spiegel) gezielt heller. Das ist auch das beste Verkaufsargument für eine zweite Lichtebene — sprich: mehr Leuchten im Angebot.

Die Faustformel für die Baustelle

Wie viele Lumen braucht der Raum insgesamt?

Fläche (m²) × Ziel-Lux ÷ 0,6 ≈ benötigte Gesamt-Lumen

Die 0,6 ist der Beleuchtungswirkungsgrad — er schluckt Verluste durch Wände, Möbel, Abstrahlwinkel und Alterung. Beispiel Büro mit 20 m²: 20 × 500 ÷ 0,6 ≈ 16.700 lm. Bei Downlights mit 1.500 lm sind das 11–12 Stück — realistisch verteilt eher 12.

Grenzen der Faustformel: Sie sagt dir nichts über die Verteilung. Ob unter der Leuchte 800 lx anliegen und in der Raumecke 90, siehst du erst mit einer flächigen Berechnung.

Vom Richtwert zum fertigen Plan — in 5 Minuten

Genau dafür gibt es Lightbuilder: Grundriss hochladen (auch handgezeichnet), Leuchten per Klick setzen — und die Lux-Heatmap zeigt dir live, wo der Raum die Richtwerte erreicht und wo nicht. Ist/Soll je Raum ist hinterlegt, angelehnt an DIN EN 12464-1. Am Ende fällt das Kundenangebot als PDF mit Stückliste direkt mit raus.

Für normative Nachweise (z. B. Arbeitsstätten-Abnahme) brauchst du weiterhin eine Fachplanung mit exakten Leuchtendaten — wann DIALux die richtige Wahl ist, liest du hier.

Häufige Fragen

Sind die Lux-Werte gesetzlich vorgeschrieben?
Für Arbeitsstätten ja — über die Arbeitsstättenverordnung und die ASR A3.4, die sich an der DIN EN 12464-1 orientieren. Für Privatwohnungen gibt es keine Vorschrift, nur Empfehlungen.
Reicht die Faustformel für ein Kundenangebot?
Für die Ersteinschätzung und das Angebot: ja, mit Puffer. Für Abnahmen und normative Nachweise: nein, da gehört eine Fachplanung mit Leuchtendatensätzen (IES/LDT) dazu.
Warum wirkt ein Raum trotz genug Lux dunkel?
Meist wegen ungleichmäßiger Verteilung, dunkler Oberflächen oder falscher Lichtfarbe. Deshalb lohnt der Blick auf die Verteilung — nicht nur auf den Mittelwert.