Ratgeber · Lichtplanung
Lichtplanung im Büro: Normen, typische Fehler und ein Praxisbeispiel
Büros sind das häufigste Gewerbe-Projekt für Elektrobetriebe — und das mit den klarsten Vorgaben. Wer die drei, vier entscheidenden Werte kennt, plant ein Büro in Minuten statt Stunden. Hier ist alles, was du brauchst: die Normwerte, die typischen Fehler und ein durchgerechnetes Beispiel.
Die Anforderungen: Diese Werte gelten im Büro
Grundlage sind die DIN EN 12464-1 und die ASR A3.4 (Arbeitsstättenregel Beleuchtung). Die Kernwerte:
| Anforderung | Wert |
|---|---|
| Beleuchtungsstärke am Arbeitsplatz (Schreiben, Lesen, Bildschirm) | 500 lx |
| Umgebungsbereich um den Arbeitsplatz | 300 lx |
| Verkehrsflächen im Büro, Flure | 100 lx |
| Blendungsbegrenzung (UGR) | ≤ 19 |
| Farbwiedergabe (Ra/CRI) | ≥ 80 |
| Gleichmäßigkeit am Arbeitsplatz (U₀) | ≥ 0,6 |
Bei der Lichtfarbe haben sich im Büro 4.000 K (Neutralweiß) durchgesetzt: wach genug zum Arbeiten, nicht so kalt wie 5.000er-Industrielicht. 3.000 K geht für Chef- und Besprechungszimmer mit Wohlfühl-Anspruch.
Die 500 lx gelten übrigens am Arbeitsplatz, nicht im ganzen Raum — der Umgebungsbereich darf auf 300 lx runter. Wer den ganzen Raum auf 500 lx plant, ist auf der sicheren Seite, verschenkt aber Budget. Wer die Arbeitsplätze kennt, plant gezielter und günstiger.
Die 5 häufigsten Fehler bei der Bürobeleuchtung
Blendung ignoriert. Der häufigste Reklamationsgrund. Downlights mit offenem Blick auf die LED über Bildschirmarbeitsplätzen erzeugen Reflexblendung auf dem Monitor. Lösung: Leuchten mit UGR ≤ 19 wählen und nicht direkt über, sondern seitlich der Bildschirmachse platzieren.
Nur nach Watt geplant. „Da hängen 200 Watt drin, das reicht“ — sagt nichts aus. Entscheidend sind Lumen auf der Fläche. Wie du das überschlägst, steht in unserer Lux-Tabelle mit Faustformel.
Wartungsfaktor vergessen. LEDs altern. Die 500 lx müssen auch nach Jahren noch anliegen — 20–25 % Reserve auf die Neuanlage ist Praxisstandard.
Ein Lichtkreis für alles. Fensterreihe und Raumtiefe brauchen unterschiedlich viel Kunstlicht. Mindestens zwei Schaltgruppen (fensternah/fensterfern) — spart dem Kunden Strom und ist ein gutes Verkaufsargument.
Decke vollgepflastert statt geplant. Das gleichmäßige Raster über den ganzen Raum ist selten die beste Lösung: Es blendet dort, wo niemand sitzt, und spart dort, wo gearbeitet wird. Erst Arbeitsplätze platzieren, dann Leuchten.
Praxisbeispiel: Büro mit 4 Arbeitsplätzen, 30 m²
Raum 6 × 5 m, Deckenhöhe 2,70 m, 4 Bildschirmarbeitsplätze in Fensternähe, Besprechungsecke hinten.
30 m² × 500 lx ÷ 0,6 ≈ 25.000 lm
Mit LED-Panels à 3.600 lm (UGR ≤ 19) wären das 7 Stück. In der Praxis: 6 Panels in zwei Dreierreihen längs zur Fensterfront über den Arbeitsplätzen plus 2 Downlights über der Besprechungsecke — die braucht keine 500 lx, 300 reichen.
Zwei Schaltgruppen: Reihe fensternah, Reihe raumtief + Besprechungsecke. Lichtfarbe 4.000 K, Besprechungsecke gern 3.000 K.
Verteilung prüfen statt raten
Ob die Verteilung wirklich passt — 500 lx an den Plätzen, keine dunkle Ecke — siehst du nicht am Überschlag, sondern erst auf der Fläche. Genau da hilft die Lux-Heatmap: In Lightbuilder lädst du den Grundriss hoch, setzt die Panels per Klick und siehst live, wo der Raum die Werte erreicht. Stückliste und Angebots-PDF fallen direkt mit raus — in etwa 5 Minuten.
Wann brauchst du die große Simulation?
Für das Angebot und die Ausführungsplanung reicht die praxisnahe Einschätzung. Verlangt der Auftraggeber einen normativen Nachweis (z. B. für die Arbeitsstätten-Abnahme oder im öffentlichen Vergabeverfahren), gehört eine Fachplanung mit exakten Leuchtendaten (IES/LDT) dazu — wann DIALux die richtige Wahl ist, liest du hier.
Häufige Fragen
- Wie viele Leuchten braucht ein Büro pro Quadratmeter?
- Als Überschlag: Fläche × 500 lx ÷ 0,6 = benötigte Gesamt-Lumen, geteilt durch die Lumen pro Leuchte. Für ein 30-m²-Büro mit 3.600-lm-Panels sind das 6–7 Stück. Die Verteilung entscheidet aber mehr als die Stückzahl.
- Sind 500 Lux im Büro Pflicht?
- Für Bildschirm- und Schreibarbeitsplätze ja — über die ASR A3.4 in Verbindung mit der DIN EN 12464-1. Der Umgebungsbereich darf 300 lx haben.
- Welche Lichtfarbe fürs Büro?
- Standard ist 4.000 K (Neutralweiß). Für repräsentative Bereiche und Besprechungsräume sind 3.000 K (Warmweiß) üblich. Wichtiger als die Kelvin-Zahl: einheitlich pro Sichtbereich bleiben.
- Was ist UGR und muss ich das nachweisen?
- UGR bewertet die Blendung (je kleiner, desto besser); im Büro gilt UGR ≤ 19. Für Angebot und Ausführung reicht es, Leuchten mit entsprechender Herstellerangabe zu wählen. Ein rechnerischer Nachweis wird erst bei formalen Abnahmen gefordert.