Ratgeber · Lichtplanung nach Raum

Lichtplanung im Treppenhaus: sicher, sensorgesteuert, wartungsarm

Das Treppenhaus ist der Raum mit dem klarsten Sicherheitsauftrag: Stufenkanten müssen als Kanten erkennbar sein — Stürze auf Treppen sind der häufigste Hausunfall. Gleichzeitig ist es die Fläche mit dem größten Sparpotenzial im Mehrfamilienhaus, denn hier brennt Licht sonst stundenlang für niemanden.

Richtwerte: Treppenhaus und Zugänge

Die Richtwerte angelehnt an DIN EN 12464-1:

BereichRichtwert
Treppenläufe und Podeste100–150 lx
Hauseingang / Briefkastenanlage200 lx
Kellerabgang100 lx
Gleichmäßigkeit auf der Treppemöglichst hoch, keine Schlagschatten
Lichtfarbe3.000–4.000 K
SteuerungPräsenzmelder je Etage, Nachlauf 2–5 min

Die Leuchtenposition entscheidet über die Stufenwirkung: Licht sollte schräg von oben auf die Treppe fallen, sodass jede Stufe eine sichtbare, weiche Schattenkante hat. Eine Leuchte direkt über dem Treppenauge oder frontal zur Treppe bügelt die Kanten optisch platt.

Bei der Steuerung sind vernetzte Präsenzmelder je Etage heute Standard: Licht läuft der Person voraus (angrenzende Etage schaltet mit), statt dass das ganze Haus brennt. Gegenüber dem klassischen Treppenlicht-Zeitschalter spart das 60–80 % Energie.

Praxisbeispiel: Mehrfamilienhaus, 4 Etagen

Zweiläufige Treppe mit Zwischenpodest, Etagenpodeste ca. 6 m², Deckenhöhe 2,6 m je Geschoss.

Je Geschoss: 1 Leuchte Etagenpodest + 1 Leuchte Zwischenpodest à 1.000–1.500 lm

Pro Geschoss zwei Wand- oder Deckenleuchten à ca. 1.200 lm (IP20 reicht innen, robuste Ausführung wegen Vandalismus im MFH) — positioniert so, dass beide Treppenläufe schräg angestrahlt werden. Ergebnis: 100–150 lx auf allen Läufen, keine dunklen Wendepunkte.

Dazu Hauseingang mit 200 lx (eigener Melder, Dämmerungsschaltung) und Kellerabgang mit eigener Leuchte. Bei 4 Etagen: ca. 10 Leuchten + 5 Melder — als Sanierung amortisiert sich das über die Stromrechnung der WEG meist in 2–3 Jahren.

Die 4 häufigsten Fehler bei Treppenhausbeleuchtung

  1. Leuchte frontal zur Treppe. Frontales Licht löscht die Schattenkanten der Stufen — die Treppe wirkt wie eine Rampe. Leuchten seitlich versetzt oder über den Podesten platzieren, sodass Licht schräg über die Läufe fällt.

  2. Zeitschalter statt Melder. Der klassische Treppenlicht-Automat schaltet das ganze Haus und geht mitten auf der Treppe aus. Präsenzmelder je Etage mit Nachlauf und etagenübergreifender Logik sind sicherer und sparsamer.

  3. Dunkler Wendepodest. Zwischenpodeste liegen oft im toten Winkel der Etagenleuchte. Bei zweiläufigen Treppen gehört auf jedes Zwischenpodest eine eigene Leuchte.

  4. Wartung nicht mitgedacht. Leuchten über dem Treppenauge in 8 m Höhe wechselt niemand freiwillig. Positionen wählen, die von Podest oder Leiter erreichbar sind — und langlebige LED-Leuchten (L80 ≥ 50.000 h) einsetzen.

Verteilung prüfen statt raten

Ob die Werte auf der Fläche wirklich ankommen, siehst du nicht am Überschlag, sondern erst im Plan. In Lightbuilder lädst du den Grundriss hoch, setzt die Leuchten per Klick und die Lux-Heatmap zeigt dir live, wo es hell genug ist — Stückliste fällt direkt mit raus, in etwa 5 Minuten. Komplett kostenlos für Elektrobetriebe.

Häufige Fragen

Wie viel Lux braucht ein Treppenhaus?
100–150 lx auf Läufen und Podesten, 200 lx am Hauseingang. Wichtiger als der Absolutwert: gleichmäßige Ausleuchtung ohne Schlagschatten und sichtbare Stufenkanten.
Präsenzmelder oder Treppenlicht-Zeitschalter?
Melder je Etage: Licht nur wo jemand ist, kein plötzliches Dunkel auf halber Treppe, 60–80 % Ersparnis. Der Zeitschalter ist nur noch bei Minimalsanierungen sinnvoll.
Gehört Notbeleuchtung ins Treppenhaus?
Im normalen Wohnbau ist sie nicht vorgeschrieben, in Sonderbauten (Hochhäuser, Beherbergung, Versammlungsstätten) ja. Im Zweifel gilt das Baurecht des Objekts — als Fachbetrieb weist du im Angebot darauf hin.
Welche Leuchten fürs Treppenhaus im MFH?
Robuste Wand-/Deckenleuchten mit opalem Diffusor (blendarm), 1.000–1.500 lm, 3.000–4.000 K, mit integriertem oder externem Melder. In rauen Häusern schlagfeste Ausführung (IK-Klasse) wählen.

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Alle Lux-Angaben sind Richtwerte angelehnt an DIN EN 12464-1 bzw. gängige Praxis — als Planungshilfe, kein normativer Nachweis. Für die fachliche Prüfung und Ausführung bleibt der Fachbetrieb verantwortlich.