Ratgeber · Lichtplanung nach Raum

Lichtplanung in der Lagerhalle: Hallenstrahler, Zonen und Regalgänge

Hallen sind das Projekt mit dem größten Sparpotenzial — und dem größten Frustpotenzial, wenn das Licht zwischen den Regalen nicht ankommt. Entscheidend sind drei Dinge: die richtige Zone (Lager ist nicht gleich Kommissionierung), die Montagehöhe und die Position über den Gängen statt über den Regalen.

Richtwerte: Zonen in der Lagerhalle

Die Richtwerte angelehnt an DIN EN 12464-1 unterscheiden nach Tätigkeit:

ZoneRichtwert
Lagerräume ohne ständigen Aufenthalt100 lx
Lager mit ständiger Tätigkeit / Regalgänge200 lx
Kommissionierung, Pack- und Versandplätze300 lx
Verkehrswege für Stapler150 lx
Lichtfarbe4.000–5.000 K
Farbwiedergabe (Ra/CRI)≥ 80 (Etiketten lesen)

Der wichtigste Unterschied zur Flächenbeleuchtung: In Regallagern zählt die vertikale Beleuchtungsstärke — das Licht muss auf die Etiketten in den Regalebenen fallen, nicht auf die Regaloberkante. Deshalb gehören die Leuchten mittig über die Gänge, mit eher engem Abstrahlwinkel (60–90°) bei großen Höhen.

Ab etwa 6 m Montagehöhe sind Hallenstrahler (Highbays) mit 100–200 lm/W gesetzt. Linear-Highbays mit länglicher Lichtverteilung sind für schmale Gänge oft die bessere Wahl als runde Tiefstrahler.

Praxisbeispiel: Lager 200 m², Decke 7 m, 3 Regalgänge

Blocklager mit drei Gängen à 20 m, Ziel 200 lx in den Gängen, Packzone 30 m² an der Torseite mit 300 lx.

200 m² × 200 lx ÷ 0,45 ≈ 89.000 lm

Bei 7 m Höhe ist der Faktor 0,45 realistisch (hoher Raum, dunkle Regale schlucken Licht). Mit 15.000-lm-Highbays sind das 6 Stück — aber nicht gleichmäßig verteilt, sondern je 2 pro Gang mittig über dem Gang. Die Packzone bekommt zusätzlich 2 Strahler tiefer gehängt oder eine Lichtbandlösung.

Gegenprobe pro Gang: 2 × 15.000 lm auf ca. 50 m² Gangfläche ergibt gut 200 lx auf dem Boden — und dank enger Abstrahlung auch verwertbares Licht in den unteren Regalebenen.

Die 4 häufigsten Fehler bei Hallenbeleuchtung

  1. Leuchten über den Regalen statt über den Gängen. Das Raster wurde auf die leere Halle geplant, dann kamen die Regale. Ergebnis: taghell auf der Regaloberkante, duster im Gang. Immer mit Regallayout planen — oder nach dem Regalaufbau nachjustieren.

  2. Breitstrahler in hohen Hallen. 120°-Abstrahlung aus 8 m Höhe verteilt das Licht an die Wände statt in den Gang. Je höher die Decke, desto enger der Winkel (60–90°).

  3. Eine Zone für alles. Wer die ganze Halle auf Kommissionier-Niveau (300 lx) plant, zahlt fürs reine Palettenlager das Doppelte. Zonen trennen — auch bei der Schaltung, idealerweise mit Präsenzmeldern je Gang.

  4. Wartung nicht mitgedacht. In 8 m Höhe kostet jeder Leuchtentausch einen Steiger. Lieber auf wartungsarme LED-Leuchten mit hoher Lebensdauer (L80 ≥ 50.000 h) setzen und beim Kunden genau damit argumentieren.

Verteilung prüfen statt raten

Ob die Werte auf der Fläche wirklich ankommen, siehst du nicht am Überschlag, sondern erst im Plan. In Lightbuilder lädst du den Grundriss hoch, setzt die Leuchten per Klick und die Lux-Heatmap zeigt dir live, wo es hell genug ist — Stückliste fällt direkt mit raus, in etwa 5 Minuten. Komplett kostenlos für Elektrobetriebe.

Häufige Fragen

Wie viel Lux braucht eine Lagerhalle?
Richtwerte: 100 lx für reines Lager, 200 lx bei ständiger Tätigkeit und in Regalgängen, 300 lx an Kommissionier- und Packplätzen. Staplerwege ca. 150 lx.
Wie viele Hallenstrahler brauche ich?
Überschlag: Fläche × Soll-Lux ÷ 0,45 = Gesamt-Lumen, geteilt durch Lumen pro Strahler. 200 m² auf 200 lx mit 15.000-lm-Highbays ergibt etwa 6 Stück — die Position über den Gängen ist dabei wichtiger als die reine Stückzahl.
Welcher Abstrahlwinkel bei hohen Decken?
Faustregel: 6–8 m Höhe → 90°, ab 8–10 m → 60°. Breitere Winkel (120°) nur bei niedrigen Hallen oder freier Fläche ohne Regale.
Lohnen Präsenzmelder im Lager?
Fast immer. In Gängen mit sporadischem Verkehr sparen sie 50–70 % Energie — und moderne LED-Highbays sind sofort wieder hell, anders als alte HQL-Lampen.

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Alle Lux-Angaben sind Richtwerte angelehnt an DIN EN 12464-1 bzw. gängige Praxis — als Planungshilfe, kein normativer Nachweis. Für die fachliche Prüfung und Ausführung bleibt der Fachbetrieb verantwortlich.