Ratgeber · Lichtplanung nach Raum
Lichtplanung in der Gastronomie: Atmosphäre vorn, Arbeitslicht hinten
Gastronomie ist zweigeteilte Lichtplanung: Vorn im Gastraum verkauft Atmosphäre den zweiten Drink, hinten in der Küche gelten Arbeitsstätten-Werte wie in der Werkstatt. Wer beide Welten getrennt plant — und die Theke als Bühne dazwischen versteht — liefert ein Konzept statt einer Leuchtenliste.
Richtwerte: Zonen im Restaurant
Die Richtwerte angelehnt an DIN EN 12464-1 (Küche) und Gastro-Praxis (Gastraum):
| Zone | Richtwert |
|---|---|
| Gastraum abends | 100–200 lx, dimmbar |
| Tischfläche (Insel-Licht) | 200 lx auf dem Tisch |
| Theke / Bar | 300 lx Arbeitsfläche + Akzent |
| Buffet / Speisenausgabe | 500 lx, Ra ≥ 90 |
| Profiküche | 500 lx |
| Lichtfarbe Gastraum | 2.200–2.700 K |
Die Grundregel im Gastraum: Licht auf die Tische, nicht in den Raum. Pendel 60–70 cm über der Tischplatte schaffen private Inseln — der Raum dazwischen darf und soll dunkler sein. Das senkt nebenbei die Leuchtenzahl deutlich.
Die Küche dagegen ist ein Arbeitsplatz nach Norm: 500 lx, 4.000 K, IP-geschützte Feuchtraumleuchten über den Arbeitszonen. Der Übergang (Pass, Ausgabe) braucht einen Zwischenwert, damit Teller beim Anrichten farbecht aussehen — hier lohnt Ra ≥ 90 besonders.
Praxisbeispiel: Restaurant 100 m², 40 Sitzplätze
Gastraum 80 m² mit 12 Tischen und 6 m Theke, Küche 20 m². Decke 3 m, Stil: gehoben-rustikal.
Gastraum: 12 Tische × ~600 lm Pendel + Grundlicht ≈ 12.000 lm
Gastraum: je Tisch ein Pendel (500–700 lm, 2.500 K, dimmbar) plus zurückhaltendes Grundlicht aus Wandleuchten und wenigen Downlights in den Laufzonen (zusammen ca. 5.000 lm). Die Theke bekommt eine eigene Lichtachse: Strahler auf die Front (Bühne), Arbeitslicht hinter dem Tresen.
Küche: 20 m² × 500 lx ÷ 0,6 ≈ 17.000 lm — also 3 Feuchtraum-Wannenleuchten à 6.000 lm (IP65, 4.000 K). Auffällig, aber typisch: Die kleine Küche braucht mehr Lumen als der ganze Gastraum.
Die 4 häufigsten Fehler bei Gastronomiebeleuchtung
Gastraum flächig hell. Gleichmäßige 300 lx machen aus dem Restaurant eine Kantine. Licht gehört auf Tische, Theke und Wände — die Fläche dazwischen lebt von Zurückhaltung.
Nicht oder falsch gedimmt. Mittagsgeschäft, Dämmerung, Abendservice brauchen verschiedene Szenen. Ohne Dimmung (idealerweise szenenbasiert) verliert das beste Konzept — DALI oder wenigstens Phasendimmung pro Zone einplanen.
Küchenlicht aus dem Gastraum-Konzept. 2.700 K und offene Strahler haben in der Profiküche nichts verloren: Dort gelten 500 lx, 4.000 K, IP-Schutz und Wartungsfreundlichkeit. Zwei Welten, zwei Stücklisten-Abschnitte.
Speisen unter schlechter Farbwiedergabe. Bei Ra 80 wirkt das Steak grau und der Salat matt. Überall, wo Essen präsentiert wird (Tisch, Buffet, Theke), Ra ≥ 90 wählen.
Verteilung prüfen statt raten
Ob die Werte auf der Fläche wirklich ankommen, siehst du nicht am Überschlag, sondern erst im Plan. In Lightbuilder lädst du den Grundriss hoch, setzt die Leuchten per Klick und die Lux-Heatmap zeigt dir live, wo es hell genug ist — Stückliste fällt direkt mit raus, in etwa 5 Minuten. Komplett kostenlos für Elektrobetriebe.
Häufige Fragen
- Wie viel Lux braucht ein Restaurant?
- Im Gastraum abends 100–200 lx mit 200 lx gezielt auf den Tischen — deutlich weniger als in Arbeitsräumen. Theke 300 lx, Profiküche 500 lx.
- Welche Lichtfarbe im Gastraum?
- 2.200–2.700 K für gehobene Abendgastronomie, 3.000 K für Café- und Mittagsbetrieb. Kaltweiß gehört nur in die Küche (4.000 K).
- Wie hoch hängen Pendel über Restauranttischen?
- 60–70 cm über der Tischplatte — tief genug für die Insel-Wirkung, hoch genug für freie Sicht. Pro Tisch reicht meist ein Pendel mit 500–700 lm.
- Was gilt in der Gastro-Küche?
- Arbeitsstätten-Niveau: 500 lx, 4.000 K, Feuchtraumleuchten (IP54/65), leicht zu reinigen. Über Anrichte und Pass zusätzlich gute Farbwiedergabe (Ra ≥ 90).
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Alle Lux-Angaben sind Richtwerte angelehnt an DIN EN 12464-1 bzw. gängige Praxis — als Planungshilfe, kein normativer Nachweis. Für die fachliche Prüfung und Ausführung bleibt der Fachbetrieb verantwortlich.